Das Coming-Out als Fotoprojekt

Wie schwer es tatsächlich ist sich den eigenen Eltern gegenüber seiner Homosexualität zu bekennen kann vermutlich nur jemand beurteilten, der genau in so einer Situation ist oder war. Doch das Fotoprojekt der Fotografin Paola Paredes lässt zumindest erahnen welche geballte Emotionslast dahinter steckt.

Paredes, selbst homosexuell, stand genau vor diesem Ereignis: Das Coming-out vor der Familie. Im christlichen Ecuador als gesellschaftliche Kulisse, geschieht dies zusätzlich noch unter besonders strengen Moralvorstellungen. Dennoch wagte die Künstlerin den Schritt und weihte ihre Eltern, im Beisein ihrer Schwestern, in das lange gehütete Geheimnis ein. Alle fünf Sekunden machte der Fotoapparat „Klick“ und zeichnete dabei einen intimen Moment einer Familie auf, der alle Mitglieder in eine emotionale Achterbahn stürzte.

Später, so sagten die Beteiligten aus, war es das Klärende, dass sich im Dunst des Dramas abzeichnete, was die Erlösung brachte. Das darauffolgende Gespräch – die Beichte darüber, wie schwer es Paredes in ihrer Jugend fiel sich selbst zu akzeptieren und schließlich die Anteilnahme ihrer Eltern, die sich darüber nicht bewusst waren – schuf ein neues Band, das die Familie nach dieser sehr zerrissenen Situation noch enger zusammenschweißte.

Paredes lässt uns Zuschauer sein, sie gibt einen Einblick in eine Welt, die noch heute für Viele zum Alltag gehört: Die Angst vor dem Coming-Out und die Reaktionen der Familie und Freunde.

Das eigene Kind zu aktzeptieren wie es ist – wenn das der Nebentenor dieses Fotoprojektes – das sie „unveiled“ (unverhüllt) nennt – war, und wenn es auch nur ein Elternpaar/-teil in der gleichen Situation erreicht und berührt, dann hat Paola Paredes Mut viel für die Akzeptanz Homosexueller, vor allem in ihrer Heimat, geleistet.

Hier findet ihr einen Link zur Fotogalerie: http://www.stern.de/familie/beziehung/coming-out-in-ecuador—bei-den-katholischen-eltern-6391770.html#mg-1_1440414493634