Liebesgedichte – kitschig oder romantisch?

Liebeslieder, Liebesbriefe, Liebesgedichte. Sie gelten als die ultimativen Bekundungen des stärksten aller Gefühle. Echte Klassiker, und das seit Jahrhunderten. Doch sind sie überhaupt noch zeitgemäß? Sind sie einfach ein Relikt der Vergangenheit oder tut die fortschreitende Digitalisierung ihnen keinen Abbruch?

Die Möglichkeiten des Internets

Die Postmoderne ist geprägt von den Möglichkeiten den Internets. WhatsApp und Co.  bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten, schnell und unkompliziert miteinander zu kommunizieren. Vor gar nicht allzu langer Zeit wurden schriftliche Unterhaltungen in der Schule noch in Form von Zettelchen durch die Klasse gereicht. Und hier wurden schon die ersten Anfänge der Liebesbekundungen gewagt: von

„Willst Du mit mir gehen?

⃝    Ja

⃝    Nein

⃝    Vielleicht

(Zutreffendes bitte ankreuzen)“

bis hin zu kleinen Liebeserklärungen, die als Reaktion auf die Erziehungsmaßnahmen eines genervten Lehrers geschrieben wurden, weil man unfairer Weise nicht mehr zusammensitzen durfte:

„Ich kann es nicht ertragen hier vorne ohne dich zu sitzen :‘( du fehlst mir so!“

Die Kommunikations- und Datingregeln haben sich stark verändert. Damals ging das noch so:

  • Wenn man jemanden nach seiner Telefonnummer gefragt hat, hat man denjenigen angerufen und keine Nachrichten geschickt,
  • Man verschenkte selbstgebrannte CDs mit Liebesliedern – mutige verschenkten sogar selbst gedichtete Lieder,
  • Man(n) brachte Rosen zum Date mit, um seiner Herzdame zu zeigen, wie ernst es einem war.

Heute holt man einfach das Handy raus und schickt eine Nachricht per WhatsApp. Überhaupt steht man ständig in Kontakt, ist immer erreichbar und braucht eigentlich auch kaum noch Worte, um sich mitzuteilen. Die schier unendliche Auswahl an Emojis hat der Interaktion schließlich ganz neue Möglichkeiten eröffnet und auch das Senden von Bild-, Video- und Tondateien ist kein Problem. Wozu also noch mühsam Gedichte schreiben und Bilder mit Worten malen? Wie nannte sich das im Deutschunterricht gleich? Ah ja, Metaphern und Symbole.

Das moderne Gedicht

Fest steht: Gedichte mögen kitschig und der geschwollene Ausdruck, den so mancher Lyriker im Laufe der Jahrhunderte an den Tag legte, nicht mehr ganz zeitgemäß sein. Aber gerade deswegen sind Gedichte auch etwas ganz Besonderes. Sich mühevoll treffende Vergleiche zu überlegen und intensive Gedanken über den Partner und die Gefühle, die man für ihn hegt, zu machen, zeigt in sich schon eine große Wertschätzung. Ein paar Emojis in eine WhatsApp Nachricht tippen kann schließlich jeder.

Doch wie schreibt sich denn nun ein gutes Liebesgedicht?

Wichtig sind beim Verfassen eines guten und gleichzeitig modernen Liebesgedichtes vor allem drei Dinge:

  1. Es sind die eigenen Gedanken, nicht die eines anderen.
  2. Das Gedicht passt zu der Person, der es gewidmet ist.
  3. Der sprachliche Stil ist verständlich und zeitgemäß.

Einfach ein fertiges Gedicht aus dem Internet zu kopieren ist natürlich auch eine der vielen Möglichkeiten, die das Netz zu bieten hat. Allerdings verfehlt diese Variante völlig den Sinn eines Liebesgedichtes: nämlich seine eigenen Gedanken und Gefühle auszudrücken. Sich ein wenig Inspiration zu holen ist aber natürlich erlaubt – schließlich ist aller Anfang schwer.

Das einfache Kopieren bringt auch das Problem mit sich, dass es sich am Ende um ein wenig individuelles, oder total unpassendes Gedicht handelt. Schließlich ist es einer Person gewidmet, der man seine Gefühle mitteilen möchte. Im Gedicht verpackte Komplimente sollten daher zu dieser Person passen. Es ist also wichtig, sich zu fragen:

  • Welche Attribute beschreiben den Partner?
  • Was ist optisch oder charakterlich attraktiv an ihm/ihr?
  • Was wollte man ihm/ihr schon immer mal sagen?

So kann man seinen Gefühlen freien Lauf lassen und den anderen wissen lassen, weshalb man ihn eigentlich so gerne hat.

Bei all der Inspiration, welche die Literatur aus Jahrhunderten uns bietet, ist es doch wichtig, den Blick für die Gegenwart nicht zu verlieren. Seltsame lyrische Verknotungen und Worte wie „holde Maid“ sind definitiv nicht mehr zeitgemäß. Möglichkeiten für angemessene Inspiration finden sich in rauer Menge:

  • Literaturfestivals,
  • Poetry Slams,
  • oder auch Songtexte

liefern eine Großmenge an literarischem Gedankengut, an dem man sich orientieren kann. Ein moderner Sprachgebrauch ist durchaus angebracht. Und wer es mag, kann es natürlich auch ganz trendig angehen – so vong der Sprache her. Das ist schließlich reine Geschmackssache.

Wie könnte das Gedicht aussehen?

Ein Gedicht an eine Person, die man schon länger aus dem Chat kennt und vielleicht auch schon ein oder zwei Mal persönlich getroffen hat, könnte beispielsweise so aussehen:

Der Chat er blinkt und ruft nach mir,
denn da ist eine Nachricht von Dir.
Mein Herz es springt ganz toll und wild,
weil mir Dein ganzes Interesse gilt.
Von allen, die ich jemals sah,
bist du der tollste, das ist klar.

 

Noch schöner aber als das schreiben
und dafür stets zu Haus zu bleiben,
ist ‘was mit dir zu unternehmen
und mich an Deine Schulter zu lehnen.
Es ist so schön in deiner Nähe,
was ich nicht alles für mehr Dates mit dir gäbe.

Wer es mag kann natürlich noch sehr viel persönlicher werden. Aber Vorsicht: wenn man sich noch nicht allzu lange kennt, sollte man bedächtig vorgehen, um dem Flirtpartner nicht zu nahe zu treten oder ihn/sie versehentlich unter Druck zu setzen.

Wohin mit dem Gedicht?

Wer ein schönes allgemeines Gedicht über die Freuden der Liebe geschrieben hat, kann es beispielsweise in sein Dating-Profil stellen. So wissen potenzielle Flirtpartner gleich, mit wem sie es zu tun haben.

Wer beim Schreiben bereits eine bestimmte Person im Kopf hat, der sollte ihr das Werk natürlich persönlich zukommen lassen. Das geht im Chat oder als Brief, oder – für die ganz Mutigen – bei einem Treffen selbst vorgetragen.

Es gibt übrigens noch viel mehr Möglichkeiten, die es zu beachten lohnt, um zu erfahren: Was zieht im Chat und was nicht?