Wenn die Masken fallen…

rosarote BrilleMit dem heutigen Aschermittwoch endet die Faschingszeit. Die bunten Kostüme werden verstaut, die lauten Gesänge werden wieder etwas leiser und der Trubel nimmt in der beginnenden Fastenzeit ab. Es ist jener Punkt im Jahr, an dem die Menschen in sich kehren, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Masken fallen also. Aber nicht nur bei den Karnevalisten sondern auch in einer Paarbeziehung gibt es ihn: Den Zeitpunkt, wenn die Paare zum ersten Mal in ihrer meist noch jungen Beziehung feststellen, dass nach dem Umgarnen und der aufregenden Kennenlernzeit auch ein (manchmal großes, manchmal kleines Erwachen wartet.

Wie ich bin – wie du bist

Natürlich wollen wir uns während der Partnersuche von unserer besten, unserer Schokoladenseite, präsentieren. Kleinere Mängel oder Macken versuchen wir so gut es geht zu kaschieren und stellen unsere besonderen Vorzüge ins korrekte Licht. Ein völlig normaler, nachvollziehbarer Vorgang. Selbst in der Tierwelt kann dieses Phänomen beobachtet werden. Dort gewinnt der, der das prachtvollste Gefieder hat, das beste Nest bauen kann oder sich am effizientesten gegen Nebenbuhler durchsetzt. Wenn wir also jemand Neues kennenlernen, putzen wir uns heraus und profilieren uns durch unsere Gewandheit, unser Geschick – eben unser Bestes.

Natürlich können wir nicht ewig in der Phase der Balz leben, das klingt auch reichlich anstrengend, abgesehen davon ist niemand wirklich vollkommen perfekt. Fühlen wir uns in einer Beziehung wohl, sind wir sozusagen „angekommen“, kehren wir damit auch ein Stück zu dem Menschen zurück, der im Kern in uns schlummert. Diese Abweichung ist in den meisten Fällen gar nicht so auffällig, allenfalls lassen wir hie und da ein paar Übertreibungen erkenntlich werden. Der ehemals begeisterte Spaziergänger entpuppt sich eventuell als gelassener Stubenhocker. Die natürliche Schönheit entlarvt, dass sie am Ende doch eine halbe Stunde länger im Bad braucht als zuvor behauptet. Manchmal schummeln wir auch etwas bei unseren Interessen oder Hobbies. Sportlicher Fußballspieler? – zu Jugendzeiten vielleicht einmal. Absoluter Kinogänger? – Nicht, wenn man „Titanic“ als letzen gesehenen Kinofilm erwähnt.

Ein bisschen schummeln gehört eben dazu, meist handelt es sich eher um kleinere Sünden, über die Paare gemeinsam schmunzeln und auch später immer wieder für nette Anekdoten sorgen. Abgesehen davon verändern sich Menschen auch, und auch das ist gut so: Wir entwickeln uns weiter, lernen uns mit jedem Lebensjahr selbst etwas besser kennen und wissen schneller was wir wollen und was nicht. Natürlich sollte man es mit den gewissen Modifizierungen nicht übertreiben, sonst kommt am Ende ein ganz anderer Mensch zum Vorschein und die Partnerschaft verliert eine ihrer wichtigsten Säulen. Offenheit und Ehrlichkeit spielen auch hier immer eine große Rolle. Und wer am Ende nicht das böse Erwachen oder gar eine nicht wiedergutzumachende Resignation provozieren will, der tut besser daran, auf das eigene Bauchgefühl zu hören und am Besten darauf zu vertrauen, was doch so offensichtlich erscheint: Zu sich selbst zu stehen.